Denk’ halt selber nach.
Verehrtes Publikum,
nach 21 Ausgaben und rund 30 Verrissen der Jenaer Anthologie hat sich die Ostblog-Redaktion entschieden, die Rubrik in dieser Form vorerst einzustellen. Das geschieht nicht ohne Bedauern, doch eine Vielzahl von Gründen – in diesem Fall aber ausnahmsweise nicht die Finanzkrise – haben die Entscheidung letztlich unabdingbar gemacht. Die Chefrezensientin befindet sich aktuell in einem Rezensions-KreaTief, da
- sie die Lust am Lesen im Zug verloren hat und statt dessen lieber sinnentleert in die Landschaft starrt
- der Zwang zum sinnvollen Rezensieren den unbedachten Spaß des Lesekonsums behindert.
Die Redaktion ist sich jedoch des hohen moralischen und wegweisenden Charakters der Jenaer Anthologie bewußt und wird daher das bisherige Programm in abgespeckter Form fortsetzen. Dem unbedarften Pauschalleser werden daher weiterhin unter der Rubrik Stuttgarter Anthologie Buchvorschläge die Route durch den Lesedschungel weisen. Eine umfangreiche Rezension wird künftig ein Gemeinplatz ersetzen, der dem Leser genügend Spielraum für eigene Denkansätze bieten möge.
Darüber hinaus wird die Redaktion eine weitere Rubrik einführen. Unter dem Namen Zugzwang hat sie sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, die geistreichen Gedanken von Bahnreisenden zu dokumentieren, denen man aus Platz- und Gründen der Akustik nie auszuweichen vermag. So soll nach und nach ein detailliertes Psychogramm der Subkultur Fahrgast entstehen, das die Redaktion den Marketingstrategen der Deutschen Bahn AG im Austausch gegen eine lebenslang gültige BahnCard 100 First gern zur Verfügung stellt.
Freundliche Grüße,
Ihr Ostblog-Redaktionsteam
Sinn und Verstand.
Holla, die Waldfee. Einen Monat nicht gebloggt und die schönsten Entwicklungen der Menschaheit schwimmen an mir vorbei. Zum Beispiel, dass Polen Deutschland angreift. Oder Kanada seine Panzer mit Hanf tarnt. Die Veröffentlichung von Schröders Leben wäre ebenso zu nennen, wie die Entdeckung der neuen Unterschicht. Heute hingegen hat mich dieser Artikel aus meiner Sinnkrise gerettet und ich finde, an dem ist viel dran. Religionen sind der müde Versuch, das Göttliche in menschliche Formate zu packen. Dabei geht ziemlich viel verloren, vor allem an Sinn und Verstand. Was Gewerkschaftespriester allerdings auch den Herzensergüssen eines Kanzlers nachsagen.
„Did I say Radaman?“
Ich habe nach langem Überlegen herausgefunden, was den Islamismus so gefährlich macht. Die Erleuchtung kam mir jedoch erst, nachdem ich eine Folge „Family Guy“ gesehen habe. Der Vorplot ist folgender: eine Höhle in Afgahnistan, Osama bereitet eine weitere Todesbotschaft an den Westen vor. „To all American infidels, you will be punished for your decadend ways of life, prepare to die in a sea of holy fire on the first day of Radaman. Did I say Radaman?“ Ich weiß, es ist albern, Serien nachzuerzählen, aber es ist einfach zu gut, wenn Osama plötzlich in 80iger Jahre Slapstick Manier anfängt mit einer übergroßen Brille und einem Huhn darüber zu philosophieren, ob man sich mit einem Attest vom Arzt vom Selbstmordattentat krankschreiben lassen kann. Ich wäre sehr dafür, diese Passage mal bei Al Dschasira auszustrahlen. Ich glaube nämlich, ein Grundproblem des Islamismus ist magelnde Reflexionsfähigkeit, es ist ihm nicht möglich mit ironischer oder humoristischer Distanz über sich selbst zu urteilen: denn dann würde zu schnell auffallen, wie albern das Ganze ist. Wie man mit so wenig Humor so viel Ärger schaffen kann, sieht man ja wahlweise bei Sabine Chistiansen oder Maybrit Illner. Es ist zudem davon auszugehen, dass meine Anregung von entsprechender Seite falsch interpretiert wird und fortan nicht mehr mit Handgranaten, sondern mit Torten geworfen oder anstelle einer Bombe ein Schachtelscheitan in Koffern versteckt wird. Aber Humor ist ja bekanntlich, wenn man trotzdem lacht.
Rückt alle nach rechts!
Nachdem ich jetzt nun auch populistisch geworden bin, ist der Sprung ans rechte Ufer eigentlich nur noch Kür. Also verweise ich mal auf die neusten augenöffenden Schmonzetten wie das Blättchen „Objektiv„, die seit neuestem Weisheit unters Jungvolk bringen soll. Mit Erklärungen, weshalb alle Türken Sexualverbrecher sind (und die können hier schon mal üben), Anti-Moscheen-Kampagnen sowie arischen Klettertipps propagieren die Herausgeber ein dönerfreies Köln. Blöd nur, wenn aus Versehen das tschechische Model mit zweifelhaftem Ruf für „Deutsch ist geil“ wirbt und niemand mehr so richtig weis, wie „Jamie“ plötzlich in die Ausgabe kommt. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist das nur eine Hommage an „Heim ins Reich“, denn Ahnungslosigkeit kann man den Treudeutschen ja nicht vorwerfen. Uwe Leichsenring ist ja bekanntlich auch ein sicherer Fahrer gewesen.
Für ein moslemfreies Shanghai.
Das ist ganz schön graSS*.
Tja, meine sehr verehrte Leserschaft. Da hat uns ja das Sommerloch neben dem undedeutenden Scharmützel im Libanon und dem neuen Ahamedineschad-Blog ja noch eine weitere Moralkeule ans Ufer gespült. Aber sonderlich geschockt hat mich das Coming Out unserer literarisch-moralischen Instanz eigentlich nicht. Ich meine, wer hat keine finstere Vergangenheit im Keller liegen? Ob nun die kleine Euthanasieepisode um Yussuf Ibrahim, die dubiose NS-Vergangenheit diverser Politiker der Ära Adenauer und Co. oder die skandalösen Prostituiertenstories um Claudia Wiegelmann von TicTacToe…mein Gott, so was kommt doch mal vor! Klar: „Ich war jung und brauchte das Geld“ ist die eine Sache und wenn man dazu halt noch was an der Heimatfront Ost bewegen kann, warum denn auch nicht Waffen-SS? Wer da jetzt aufs Blech trommelt, dass man doch nicht 60 Jahre moralisch korrekt sein kann, ohne mal zu schauen, was man als verblendeter Halbstarker toll fand und dass dem Butt am besten der Nobellpreis entrissen werden sollte, ist echt selbst schuld und ein richtiges Sommerlochopfer. Ich halte es da nämlich mit dem örtlichen Zentralrat der Juden, der nämlich gleich ganz fachkundig erkannt hat: Alles PR für das neue Buch, das irgendetwas mit Zwiebeln zu tun hat. Und bei genauerem Licht betrachtet, ist der ganze moralische Wind um die Sache doch eh zum Heulen.
* um mich nicht mit fremden Federn zu schmücken: der Wortwitz wurde eingesendet von meinem lieben Freund Dieter aka. Moppelkopf.
Ab heute bin ich populistisch.
…denn mir steigen alle wohlmeinenden und unverbindlichen Kommentare langsam zu Kopfe. Beachtet daher folgende Änderungen für verbindlich:
1. werde ich keine „Popkulturthemen“ wie Tamagotchis, das Paarungsverhalten von C-Promis, RTL2 und oder die Existenz von Waschbenzin mehr behandeln
2. werde ich meinen Fokus fortan nur noch auf Fragen konzentrieren, die eine gewisse Nachhaltigkeit ausstrahlen und in jedem Beitrag mindestens einmal auf Schlagworte wie M Nordkorea, Irak, Israel oder Weltfrieden zurückgreifen
3. werde ich mit so bedeutungsschwangeren Worten wie „Chance“, „Perspektive“ und „Vertrauen in unsere Gesetzgebung“ kein Bullshitbingo mehr spielen
und
4. auf den Hinweis meines persönlichen Gehirnfitnesstrainers auch alle Überschriften fortan ohne „vs.“ gestalten
Denn ab heute werde ich mich vollkommen auf mein Lesepublikum einstellen und in einer Melange aus ganz populistisch und ganz bildungsbürgerlich jenseits des Justforfun-Äquators schwimmen. Das gelobe ich!