Output erhöhen.

Ich habe mir Bestürzung festgestellt, dass in diesem Jahr nur wenige Bücher den Weg von Flohmarkt/Landesbibliothek/Bahnhofsbuchhandlung in meine Handtasche/Reisetasche/Schlaftstätte gefunden haben, um anschliessend angebetet/zerfetzt zu werden. Ich gelobe hiermit, weniger zu zocken/arbeiten/schlafen und stattdessen mehr zu lesen, um alle Leser dieser Welt auf gute Werke hin- und von schlechten Werken wegzuweisen. Ich gelobe mehr Output!

Oktober 30, 2008. Morgenappell. Kommentieren.

Sakrileg vs. Scriptum

Brown, Dan: Sakrileg. The Da Vinci Code. Bastei-Lübbe 2006.
Khoury, Raymond. Scriptum. Hamburg 2005.

Im Rahmen meiner kleinen Rezensionsreihe kommt einmal die Zeit, in der ich aufgrund der Qualität der Bücher gezwungen werde, meine alten versufizierenden Überschriften auszupacken. Herzlich willkommen also beim Kampf des Abbrechers gegen den Amerikoegozentiker. Ich habe längst aufgegeben zu fragen, weshalb für Autoren wie Dan Brown oder Raymond Khoury überhaupt Papier geschöpft wird. Beide Autoren verfügen weder über stilistische Brillanz, noch ein Gefühl für Charaktere. Auch ihre Storys – es geht, wie auch dem letzten Kinomuffel bisher klar sein sollte um Illuminati und die Frage nach den Grundfesten der katholische Kirche – sind von Anfang an nicht nur vorhersehbar, sondern auch nahezu von der gleichen Nullqualität. Was denn auch der Grund für den latenten Konkurrenz-/Plagiatskampf zwischen den zwei Literaturdemagogen gewesen sein dürfte. Die Bücher sind so schlecht, dass man den Inhalt beider eigentlich zusammen erfassen kann. Es geht um dieses mysteriöse archäologisch-kunstgeschichtliche Jesus-Geheimnis, dem eine attraktive Frau und dieser hinreißende Mann auf die Spur kommen wollen. Natürlich gibt es auch diese abgrundtief miesen Schurken, die einen ständig erschießen wollen und die böse katholische Kirche, die irgendetwas zu verheimlichen hat. Am Ende kommt dann diese total überraschende Erkenntnis, die alles bisherige in Frage stellt und diese absolut oberflächliche Kuschelei der beiden Helden. Wesentliche Unterschiede sind eigentlich nur die nervtötende Dummenfängerei und Cliffhangerei Browns sowie die dröge Rumerklärerei und die gesunde patriotische Grundeinstellung Khourys. Beide Werke öden den Leser durch absolut grottigen Stil, typisch US-amerikanische Unterschichten-Wir-packens-an-Slang sowie die Tendenz zu leicht verdaulichen Hausfrauen-Hauptsätzen an. Gemessen an dem akademischen Werdegang der beiden Autoren sind diese literarischen Sündenfälle Grund genug, aus diesem Teil der Belletristik ein mysteriöses Geheimnis zu machen, das nicht einmal der Vatikan mehr in der Lage ist aufzulösen. Da ich in der glücklichen Lage war, beide Werke ausleihen zu können, musste ich für diesen 600 bzw. 550-seitigen Schund keinen Cent ausgeben. Allerdings habe ich die pure Anwesenheit dieser Zeitfresser nicht verkraften können und beide zerstört. Sollte ich den Besitzern gegenüber nun Schuldgefühle hegen oder mir anmaßen, sie von zwei literarischen Geiseln befreit zu haben?

Februar 6, 2008. Morgenappell. 2 Kommentare.

Der arme Prolet vs. der arme Papparazzi.

Ja, jetzt ist endlich raus, was sich jeden morgen im Plus-Mark an der Kasse vor mir abzuzeichnen scheint: Die rotnasigen Jogginghosen mit Goldkrone und fünf Bier im Wagen sind als soziologisch bedeutsam erkannt worden und haben es nun sogar ins Web geschafft. Philosophische Fragen über Bildung, gesellschaftliche Fürsorgepflicht, den Markt Tabak- und Alkoholsteuer, Krankenkassen oder Eigenverantwortung sich selbst und anderen gegenüber erspare ich mir, das Wetter ist heute viel zu gut und ausserdem philosophieren andere schon mit mehr Erfolg. Leider ist auch die Frage über das Philosophieren philosophisch: Ist Zitieren nun gleich Karikieren oder muss sich das „christlich-abendländische“ Kulturvolk nun doch in jeglicher Hinsicht dem bösen, bösen Orient und seinen seltsamen Lehren beugen? Steht die Sonne des Morgenlandes tief, werfen sogar Zwerge lange Schatten. Das gilt aber auch fürs Abendland. Denn auch beim Philosophieren gilt: Schlagfertigkeit ist das, was einem auf dem Heimweg einfällt.

September 17, 2006. Morgenappell. 3 Kommentare.

Sommerloch-Spezial: Porno-Heidi vs. Tamagotchi.

Es ist ja nun hinreichend bekannt, dass das Phänomen des Sommerlochs alle möglichen  C-Promis, Regionalpolitiker, Schaumschläger und sonstige Fischaugen an den Strand des Medienalltags bzw. ans Licht spült. So habe ich auch neulich beim Aufräumen und Neusortieren meines Bücherschranks nicht nur die gräßliche Mao-Biographie von Jung Chang (die teuereste Fehlinvestition 2005), sondern auch mein altes Tamagotchi wiedergefunden. Spottet nicht, wer sein virtuelles Haustier im Jahr 2001, also gut fünf Jahre NACH dem Bandai-Boom kauft, ist schon wieder voll im Retro-Trend und somit voll cool. Ein Tamagotchi finden ist gut, schlecht hingegen ist, wenn ich seit Tagen nur noch lesen und sehen muss, wie sich Masseuse Friseuse Heidi (22) aus Meerane/Sachsen für eine Stunde in Robbies Suite wiederfindet. Mein Gott, wo sind wir eigentlich gelandet, wenn das “hot girl“ sich wie ne Nutte, die zu doof zum Abkassieren ist, sich vom Manager aufs Zimmer holen läßt, das neue Aushängeschild der PISA-Studie Robbie auf seine Frage hin antwortet, sie könne kein Englisch, ihm jedoch auf ominöse Weise dann doch was von ihrer Tochter erzählt und ich das alles auch noch überall aufs Brot geschmiert bekomme? Die letzte Frage nach ihren oralen verbalen Qualitäten ist insofern interessant, da ich mir wirklich nicht vorstellen kann, in welcher Sprache und WIE sie das mit vollem Mund erzählen konnte und warum sie glaubt, dass das überhaupt nen Typen beim Sex interessiert. Sorry, aber hier muss mal Klartext gesprochen werden: Schlimmer kann der Sommer doch gar nicht werden! Und während unsere Aushilfshostess sich erst mal von ihrem Freund (26) die CDs zerbrechen bzw. ordentlich den Robbie rausf***** läßt und anschliessend den eingerahmten Tanga von der Nacht mit dem Master of Universe als Traumfänger und in Erwartung weiterer Promis vor den Frisuerladen hängt, freue ich mich auf einen netten Tag mit meinem Tamagotchi. Denn da kann man den den Ton wenigstens ausschalten.

PS: Ach ja, ich bin übrigens nur neidisch.

August 4, 2006. Morgenappell. 8 Kommentare.

Phrasendreschen vs. Böse Welt.

Dass wir in einer gefährlichen Welt leben, hat sich ja bereits durch die aufopferungsvolle Arbeit von BILD und RTL 2 rumgesprochen. Aber: Es wird nicht besser – im Gegenteil. Die Grundfesten/Fundamente/Werte unserer moralischen Verfassung (und vermutlich auch unserer staatlichen) werden stets und ständig erneut auf die Probe gestellt. Wer ist nicht erschüttert/betroffen/verunsichert angesichts der entdeckten pharmazeutischen Spitzenleistungen bei der Tour der France oder der Leichtathletik-WM? Wem wird angesichts der frisch aufgedeckten Tatsache, dass VW sich von Faurecia und Karstadt sich von Lieferanten schmieren lässt, zutiefst von der moralischen Verfassung des gemeinen Menschen an sich enttäuscht/ernüchtert/desillusioniert? Wie reagieren, wenn laut neuester Meldungen bereits Mercedes in Veruntreuung verwickelt ist? Schwierige Fragen in schwierigen Zeiten, in denen wir aber nie und nimmer die Hoffnung/Perspektiven/Chancen aus den Augen verlieren dürfen. Ich sage jedoch: Abwarten und phrasendreschen, denn verloren hat nur, wer erwischt wird. Und das kennen wir ja auch aus Kana.

Juli 31, 2006. Morgenappell. 3 Kommentare.

Bullshitbingo vs. Überalterung.

Wenn unsere geliebte Mutterverdienstkreuzträgerin in Diamant von der Leyden zum „8.Deutschen Seniorentag“ referiert, ist es amüsant zu sehen, wie einfach sich ein Publikum zum Spielball eines durchschnittlich ambitionierten und weit weniger begabten Redners machen lässt. Trotz der deprimierenden Aussicht, in – nach neusten Statistiken – nur noch 20 Jahren einen Altersschnitt von 45 zu haben, grinst das Auditorium als gäbe es am Ende der Show TENA – Ladys und Herztropfen umsonst. So verwendet unsere Ursel Begriffe wie „Chancen“, „Herausforderungen“ oder „spannend“ im Zusammenhang mit Überalterung, Pflegepolitik und Senilität derart, dass sich unvermittelt der Gedanke aufdrängt, nicht inmitten einer greisen Gesellschaft ohne Kinder, sondern vielmehr auf lustiger Fahrt mit Enid Blytons „Fünf Freunden“ oder den ewig jugendlichen „TKKG“ zu sein. Doktor Ursela ähnelt inmitten dieser grotesken Dauerwerbesendung für Gebisshaftstreifen, Unterarmgehstützen und wasserdichte Bettlaken allerdings mehr Bibi Blocksberg, die denkt mit den Worthülsen wie „interessante Möglichkeit“, „Vorbildfunktion für andere Staaten“ und „Synergieeffekte“ das drohende Aussterben der Deutschen wegzaubern zu können. Na dann: Bingozettel raus und Hexhex.

Juli 25, 2006. Morgenappell. 4 Kommentare.

Möhrenkönig vs. Pesttote.

In meiner Funktion als Schaulustiger und Statist durfte ich in den letzten Wochen zwei historischen Festumzügen beiwohnen. Es ist ganz interessant, was für Geschichten da rausgekramt werden und zu imposanten Wagen oder Dioramen umgebaut werden. Bei einem dieser Züge anläßlich des 1100-jährigen Bestehens meines Heimatorts fand ich persönlich den Wagen mit den „Pesttoten“ am interessantesten, denn immerhin gab es anno 1613 ganze 18 Tote. Ganz historisch war der Wagen mit einem Totengräber in Scharfrichteruniform, der einen Collie führt, allerdings nicht: Ich konnte beim besten Willen nur vier Särge zählen. Beim Umzug zum diesjährigen Thüringentag hat mich neben dem Sonneberger „Bruno„-Gedächtnismarsch am meisten die Interpretation der Heiligenstädter Sage vom „Möhrenkönig“ überzeugt. Da dies auch für mich kulturhistorisches Neuland ist, hier eine kleine Zusammenfassung: Feinde vor Stadt, Torriegel weg, Möhre als Torriegel, Möhre von Ziege des Torwächters gefressen, Feinde in Stadt. Um das mal ganz dezent zu formulieren: Während beispielsweise die Chinesen ausschliesslich Sagen von ruhmreichen Kaisern, monströsen Drachen und riesigen Goldschätzen besitzen und in diverse Festzüge involvieren, dekorieren unsere Festzüge ein paar lausige Heinrichs oder Ottos zu Fuß sowie Pesttote, die nicht mal einen eigenen Sarg haben. Sogar dem Versager von Möhrenkönig wird ein Platz eingeräumt. Kein Wunder, dass Deutschland in Sachen blühender Wirtschaft früher oder später den Löffel an China abgibt. Dann gibt es neben Pesttoten mit Sicherheit auch ein paar Wirtschaftsleichen.

Juli 17, 2006. Morgenappell. Kommentieren.

Ave Maria vs. Studentenemails.

Im Zuge der Entsäkularisierung der USA plant EX-Pizzaguru Tom Monaghan in Florida eine Universitätsstadt mit Campus und Kondomverbot zu bauen. Ganz klar, dass er dabei Jeb Bush auf seiner Seite hat. Pornographie und Homosexualität sollen in diesem heilen Teil der Welt auch unterbunden werden, also werden dort vermutlich keine Priester aus St. Pölten lehren. Allerdings ist auch anzunehmen, dass die Verantwortlichen sicher nie mit Emails aus der Hölle konfrontiert werden müssen, die selbst Computer zum Absturz bringen. Es bleibt zu hoffen, dass die aktuellen Ereignisse um die abstürzende Eiger Nordwand nicht durch Emails diesen Formats ausgelöst werden, sonst laufen wir Gefahr, bald die ganze Apenlandschaft zu verlieren. Und dann hilft vermutlich nur noch ein Ave Maria.

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Nützlich dafür: Selbstgebastelte Heiligenfänger.Eingeschickt von Franzi Günzel, die mit ihrer Liebe zum Reisen und ihrem Talent fürs Fotografieren auch in 10.000 m Höhe stets Auge und Sinn für das Wesentliche beweist.

Juli 14, 2006. Morgenappell. Kommentieren.

Rudi Carrell vs. Dänische Karrikaturen.

Mein Blog ist noch jung und dennoch können wir uns neben Robert Gernhardt bereits wieder von einem weiteren Kulturfolger verabschieden: Dem Mäzän der Spassgesellschaft Rudolf Wijbrand Kesselaar, genannt Rudi Carrell. Da wird es Zeit, im Stillen einer kleinen Anekdote zu gedenken. Da geschah es anno 1987, dass in der von Carrell moderierten Persiflage auf die Tagesschau, „Rudis Tagesshow“, ein Beitrag Ayatollah Khomenei zeigte, wie dieser im Gegenschnitt mit Damenunterwäsche beworfen wurde. Die natürliche Folge dessen war es, dass der Entertainer sich den Unmut zahlreicher Politiker zuzog, der Iran das deutsche Goethe-Institut in Theheran schloß und zwei Diplomaten des Landes verwies. Die Krise konnte erst eine Woche später für beendet erklärt werden, nachdem Carrell reumütig zu Kreuze (oder Halbmond) kroch. Was hingegen lehrt uns diese Geschichte? Carell war offensichtlich ein Talent, das ein Gespür für publikumswirksame polarisierende Visionen beziehungsweise die „Zeichen der Zeit“ hatte und der bereits weit vor dem 11. September zeigte, dass wir uns auch ohne dänische Karrikaturen im Nahen Osten unbeliebt machen können.

Juli 11, 2006. Morgenappell. Kommentieren.

Éric Cantona vs. Zinédine Zidane.

Nachdem Zinédine Zidane nun gestern abend unrühmlich am Pokal und einem positiven WM-Karriereende vorbeigeschlichen ist: Hier hat er die einmalige Möglichkeit, sich in der „Eric Cantona Gedächtnis Move„- Hall ein letzes Mal einen Weltruf zu erkämpfen. Jeder, der die Ansicht vertritt, dass die gestrige Szene an die eines Eric Cantona heranreicht, möge bitte im Kommentarbereich sein Stimmlein abgeben. Zu gewinnen gibt es einen Brustpanzer eurer Wahl.

Juli 10, 2006. Morgenappell. 6 Kommentare.

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