The Walk of Warcraft

So…die Sommerpause nähert sich ihrem Ende. Zeit zu klären, womit ich in den letzten Monaten meine wertvolle Freizeit verbracht habe. Nach vier Jahren des tapferen Wiederstandes habe ich mich entschieden, das legendäre Online-Spiel World of Warcraft zu spielen. Monatlich kostet mich das nun 12,99 Euro zuzüglich den 29,95 Euro Anschaffungskosten. Ich habe errechnet, dass mich WoW bei den laufenden Kosten billiger kommt, als zweimal im Monat bei der Spiele-Pyramide im Mediamarkt einzufallen und dazu einmal im Monat die PC-Games (mit Gratis-Spielen) zu kaufen. Die Rechnung 14,90 Euro vs.12,99 Euro geht eindeutig zugunsten von WoW. Was den Spielspaß angeht: da sprechen die Millionen Süchtigen wohl für sich. Die Komplexität des Spiels ist vielgerühmt und die Hersteller geben sich echt Mühe – neulich waren sogar Sonnenwendfeierwochen mit speziellen Aktivitäten. Man kann so viel lernen. Zwar nur begrenzt auf die leidlich enge Welt von 4 GB Festplattenspeicher – aber immerhin. WoW bringt mir neue Vokabeln bei. In Bewerbungsgespächen kann ich jetzt angeben: Thalassisch und Orcisch verhandlungssicher. Ich habe ein paar alte Zockerkameraden wiedergefunden und ausserdem ist WoW so eine Art Happy Place: Alle haben sich lieb, jeder bufft (WoW für: gute Zauber auf andere legen) jeden und manchmal leihen dir fremde Chars (WoW: Charakter) einfach so mal 40 Gold (Währung in WoW). Das war notwendig, um endlich mal vom Fussgänger zum Reiter zu werden. Denn: man kann sich lustige Reittiere und die passende Reitfähigkeit in der magischen Welt von WoW nur für 40 Gold erkaufen. Das ist deutlich billiger als im realen Leben und in WoW unerlässlich, da die Spielwelt unglaublich groß ist. Ohne azurblauen Greifenschreiter (Reittier für Blutelfen): Vergiss es. It’s the Walk of Warcraft. Man kann ewig mit Laufen verbringen. Wo wir dann auch an dem Punkt sind: Wie siehts denn mit dem Zeitaufwand aus? War man bei Titan Quest, Spellforce, Sarced und Diablo schon verärgert, wenn man mal 30 Sekunden vom Todespunkt zurücklaufen musste…Ha! Luxus! In WoW kostet das schon mal gepflegte fünf Minuten und das, obwohl man als Geist deutlich schneller rennt als ein lebendiger Charakter. Man läuft sich aber nicht nur tot, sondern braucht auch ewig für Kills (WoW: feindliche Objekte) und Quests (WoW: Aufgaben). Nicht mal fix draufgehauen und gut ist. Nein, da muss man sogar mitdenken und die Gegner studieren! Wenn ich dann noch an die endlos vielen Berufsmöglichkeiten und Fähigkeiten denke, die man schulen muss und dann noch die Auktionen, die gerade laufen und dann kann ich für „Wirb einen Freund“ ein exklusives Reittier gewinnen und dann muss ich noch ne Instanz und ne Raid machen und …oh…ich glaub…ähhhh….ich muss gaaaaanz dringend weg… Und: Nein – es stimmt nicht, dass WoW süchtig macht. Die ARD lügt! Ich muss weg!!!

August 17, 2008. Alte Verhaltensmuster. 2 Kommentare.

Zu blöd zum Bombenbasteln vs. Echter van Gogh.

Jaja, ich hab getan, was ich nicht lassen konnte und ähnlich wie Schiller (ohne mich zu sehr in die Nähe dieser revolutionären Maultasche stellen zu wollen), verfalle ich auch wieder in alte Verhaltensmuster und versufiziere meine Überschriften. Doch lasst uns lesen, was es Neues im Spätsommerloch gibt: Da wäre zum Beispiel dieser freundliche, unauffällige, fromme Kieler Austauschterrorist, der laut Aussage seines Dozenten einfach zu blöd zum Bombenbauen war. Und da beschweren wir uns noch über PISA!? Wir sollten doch vielmehr alle froh sein, dass unsere Schüler mit Migrationshintergrund so gar nichts drauf haben, sonst würde in Berlin-Neukölln und Köln-Veedeln ja ständig irgendwelche Sprengsätze in S-Bahnen explodieren, die von bösartigen, islamistischen Junior-Bartträgern gebastelt würden. Aber zu unser aller Vorteil haben wir ja die CSDU mit ihren Ideenhülsen, denn in Zukunft sollen ja kompetente Rail-Marshalls (siehe Vorschlag unten) mit der Uzi im Anschlag den Linienverkehr in Deutschland überwachen. Da haben wir also vorerst  nochmal Glück mit unseren lausigen Studenten gehabt, die nicht mal den Inhalt einer Bombenbauanleitung nachahmen können. In China gibts sowas nämlich nicht, da werden van Goghs und der Transrapid nämlich ganz vorbildlich kopiert.

medium_gaymobil.jpg

August 21, 2006. Alte Verhaltensmuster. Kommentieren.