入境问俗*

Schon weit vor Olympia war klar, dass China zwar fast alle verfügbaren Medaillen gewinnen, aber sonst der Verlierer der Spiele sein würde. Das Absurde ist: Egal ob Menschenrechte, Umweltschutz, Pressefreiheit, Tibet, Propagendakritik, Todesstrafe…Olympia war nur ein weiterer Stellvertreterkrieg der westlichen Wirtschaftspolitik und Medien gegen die größte Bedrohung der Märkte jenseits der großen Mauer. Alles, was China deklassieren oder lächerlich machen würde, wurde vorher ausgiebig seziert. Zum Beispiel die Terrorvorsorgemaßnahmen. Wenn die USA vor der Einreise in die Staaten Zettel ausfüllen lässt, ob man terroristische Anschläge plant, ist das völlig ok. Verbieten die chinesischen Behörden explizit terroristische Anschläge während Olympia, ist das nur ein weiteres Zeichen für die Lächerlichkeit des Staatsapparatschik. Ebenso ist es für die Presse in Ordnung, wenn Bhutans Regierung alle Einwohner die gleichen Rockhosen tragen lässt: es ist die gläubige Öko-Diktatur der edlen Wilden. Was aber würde die FAZ dokumentieren, wenn China Staatskleidung einführen würde? In der BILD stünde auf jeden Fall: Die spinnen, die Schlitzaugen. Flitzer bei der EM aus der Übertragung rauszuschneiden, naja…ist schon ok, gut dass wir drüber geredet haben – aber wehe, es werden Feuerwerksraketen bei der Eröffnungsfeier im Vogelnest ins Bild geschummelt. Aber was will man von einem solchen Staat auch anderes erwarten, bei denen zählt ja nur die Masse und nicht der Einzelne – sieht man ja bei den Gewichtheberinnen! Die Reisfresser lassen ja nicht mal Mädchen mit schiefen Zähnen singen. Anders als bei uns: Da dürfen bei Dieter sucht den Superdeppen alle mal ran. Die westliche Presse hat verbal alles gegen China ins Feld geführt und vor den seltsamsten Vergleichen nicht zurückgeschreckt. 80.000 Tote in Sichuan – na kein Wunder, wie ihr mit der Natur umgeht. Und übrigens: Free Tibet! Wer da gutmenschlich daherkommt und Olympia mit Menschenrechten und Pressefreiheit verbinden möchte: Was bitte hat das mit dem größten Werbe- und Kommerzspektakel der Welt zu tun? Macht Sport neuerdings etwa frei? China hat zweifelsohne viele Probleme – und das nicht nur, weil die Turnerinnen eventuell noch zum Kinderarzt gehen. Aber warum glaubt man im Westen, dass die Parteispitze in Beijing das nicht wüsste? Sport ist keine Wunderkur oder haben wir seit der WM eine Nullquote an Arbeitslosigkeit? Ich denke mal, dass China auch im Nachgang der Spiele nicht gewinnen wird: Ich warte im Moment auf den Artikel, der China des Dopings der erwischten Nationen überführt.

*Kommt man in ein fremdes Land, fragt man nach den Sitten.

Nachtrag: Zum Thema.

August 25, 2008. Hat nichts zu tun mit.... 1 Kommentar.

The Walk of Warcraft

So…die Sommerpause nähert sich ihrem Ende. Zeit zu klären, womit ich in den letzten Monaten meine wertvolle Freizeit verbracht habe. Nach vier Jahren des tapferen Wiederstandes habe ich mich entschieden, das legendäre Online-Spiel World of Warcraft zu spielen. Monatlich kostet mich das nun 12,99 Euro zuzüglich den 29,95 Euro Anschaffungskosten. Ich habe errechnet, dass mich WoW bei den laufenden Kosten billiger kommt, als zweimal im Monat bei der Spiele-Pyramide im Mediamarkt einzufallen und dazu einmal im Monat die PC-Games (mit Gratis-Spielen) zu kaufen. Die Rechnung 14,90 Euro vs.12,99 Euro geht eindeutig zugunsten von WoW. Was den Spielspaß angeht: da sprechen die Millionen Süchtigen wohl für sich. Die Komplexität des Spiels ist vielgerühmt und die Hersteller geben sich echt Mühe – neulich waren sogar Sonnenwendfeierwochen mit speziellen Aktivitäten. Man kann so viel lernen. Zwar nur begrenzt auf die leidlich enge Welt von 4 GB Festplattenspeicher – aber immerhin. WoW bringt mir neue Vokabeln bei. In Bewerbungsgespächen kann ich jetzt angeben: Thalassisch und Orcisch verhandlungssicher. Ich habe ein paar alte Zockerkameraden wiedergefunden und ausserdem ist WoW so eine Art Happy Place: Alle haben sich lieb, jeder bufft (WoW für: gute Zauber auf andere legen) jeden und manchmal leihen dir fremde Chars (WoW: Charakter) einfach so mal 40 Gold (Währung in WoW). Das war notwendig, um endlich mal vom Fussgänger zum Reiter zu werden. Denn: man kann sich lustige Reittiere und die passende Reitfähigkeit in der magischen Welt von WoW nur für 40 Gold erkaufen. Das ist deutlich billiger als im realen Leben und in WoW unerlässlich, da die Spielwelt unglaublich groß ist. Ohne azurblauen Greifenschreiter (Reittier für Blutelfen): Vergiss es. It’s the Walk of Warcraft. Man kann ewig mit Laufen verbringen. Wo wir dann auch an dem Punkt sind: Wie siehts denn mit dem Zeitaufwand aus? War man bei Titan Quest, Spellforce, Sarced und Diablo schon verärgert, wenn man mal 30 Sekunden vom Todespunkt zurücklaufen musste…Ha! Luxus! In WoW kostet das schon mal gepflegte fünf Minuten und das, obwohl man als Geist deutlich schneller rennt als ein lebendiger Charakter. Man läuft sich aber nicht nur tot, sondern braucht auch ewig für Kills (WoW: feindliche Objekte) und Quests (WoW: Aufgaben). Nicht mal fix draufgehauen und gut ist. Nein, da muss man sogar mitdenken und die Gegner studieren! Wenn ich dann noch an die endlos vielen Berufsmöglichkeiten und Fähigkeiten denke, die man schulen muss und dann noch die Auktionen, die gerade laufen und dann kann ich für „Wirb einen Freund“ ein exklusives Reittier gewinnen und dann muss ich noch ne Instanz und ne Raid machen und …oh…ich glaub…ähhhh….ich muss gaaaaanz dringend weg… Und: Nein – es stimmt nicht, dass WoW süchtig macht. Die ARD lügt! Ich muss weg!!!

August 17, 2008. Alte Verhaltensmuster. 2 Kommentare.