Ziemlich öd.
Schenkel, Andrea Maria: Tannöd. Roman, München 2008.
Ich hätte es eigentlich besser wissen müssen. Hätte ahnen sollen, dass ein moderner Krimi von 125 Seiten schon aus Prinzip keine sieben Euro Wert sein kann. Aber: Versuch und Irrtum. In diesem Fall großer Irrtum. Nun, die Erwartungen waren vielleicht einfach zu hoch. Denn ganz ehrlich: mit ETA Hoffmanns Fräulein von Scuderi war der Höhepunkt der Kriminalgeschichte erreicht. Was kann da noch kommen? Tannöd? Sicher nicht. Klar, ein grausiger Mord an einer ganzen Familie – und den armen Kleinen noch dazu – das zieht die Leser an. Via Mala mal vier plus Kinderbonus. Aber die Autorin macht so ziemlich alle Fehler, die man Lesern nicht zumuten sollte. Alles ist unheilschwanger: die Bäume, der Himmel, das Gras. Alles schreit 125 Seiten lang Mord. Dann die unsinnige Gattungmischung. Die Idee ist nett. Aber es gibt nicht unverzeihlicheres, als wenn man einem Text anmerkt, dass der Künstler erst einmal ins „Sachwörterbuch der Literatur“ geschaut hat. Zur Ideenfindung. Gleiches gilt auch für die Zeugenaussagen – ich schätze, dass die Autorin sich ein Exemplar von „Sprache und Schicht“ in der Kreisbibliothek ausgeliehen hat. Was die Motive und das Innenleben angeht: „Kleines Handbuch der Psychologie“. Auch Kreisbibliothek. Und eine Quelle gibt sie sogar öffentlich an: „Myrtenkranz! Ein geistlicher Brautführer und Andachtsbuch für die christliche Frau“. Vermutlich, damit man nicht nach den anderen fragt. Die daraus im Buch abgedruckte „Litanei zum Troste der armen Seelen“ ist das einzige, was den Leser über den tragischen Verlust seiner sieben Euro und eineinhalb Stunden Lebenszeit hinwegtrösten kann.
Uschi und das halbe Leben.
Kraemer, Olaf: Uschi Obermaier, High Times – Mein wildes Leben, München 2007.
Ich schleiche schon seit Monaten um Uschis wildes Leben herum und bin nun froh, endlich weiterschleichen zu können. Kurz gesagt: Ich habe mehr erwartet. Deutlich mehr. Und so wenig bekommen, dass es schwer fällt zu kritisieren. Doch wieso wirkt die Biographie trotz der 297 Seiten mehr als lückenhaft? Basierend auf den 50 Stunden Gesprächsaufzeichnung schaut der Autor der Uschi aufs Maul, aber nur ein guter Artistenflügel oder ein paar Hypnosesitzungen hätte die Vollständigkeit retten können. Auch wenn der SPIEGEL vollmundig behauptet, die Uschi hätte sich nur genommen, was ihr zusteht und nicht drauf gewartet, dass die Männer ihr was geben – ich hätte an ihrer Stelle etwas weniger von allem genommen. Von den Drogen. Von dem Alkohol. Von den prügelnden Typen. Von den high times, dem wilden Leben. Begleitet man Uschi durch sämtliche Kommunen der Republik, München, London, durch Indien, die USA – immer scheint es, als würde da jemand leben, der zwar leben kann, aber gar nicht verstehen kann, wie das so richtig funktioniert. Masse statt Klasse. Es ist schwer abzuschätzen, ob die Uschi nun wirklich nur ein doofes Modell ist oder vielleicht die Königin des Understatements. Eines ist aber klar: Das wilde Leben wirkt hölzern, unvollständig und – farblos. Selbst die buntschillernden Trips. Auch der Sex ist nicht wirklich gut, nicht mal der mit den Rolling Stones oder Jimi Hendrix. Nur die Prügelszenen hauen richtig rein, und da ist schon wieder ganz schön viel Freud dabei. Daher empfehle ich das Buch jedem nur nachdrücklich, der nachfolgenden Witz nicht gut finden kann.
Nach dem Sex fragt er: „Wie heißt du eigentlich?“
Sie: „Hihi, so wie das weibliche Geschlechtsteil, nur ohne den ersten Buchstaben…“
Er: „Otze?! Was issn das für‘n scheiß Name!“
