Rudi Carrell vs. Dänische Karrikaturen.
Mein Blog ist noch jung und dennoch können wir uns neben Robert Gernhardt bereits wieder von einem weiteren Kulturfolger verabschieden: Dem Mäzän der Spassgesellschaft Rudolf Wijbrand Kesselaar, genannt Rudi Carrell. Da wird es Zeit, im Stillen einer kleinen Anekdote zu gedenken. Da geschah es anno 1987, dass in der von Carrell moderierten Persiflage auf die Tagesschau, „Rudis Tagesshow“, ein Beitrag Ayatollah Khomenei zeigte, wie dieser im Gegenschnitt mit Damenunterwäsche beworfen wurde. Die natürliche Folge dessen war es, dass der Entertainer sich den Unmut zahlreicher Politiker zuzog, der Iran das deutsche Goethe-Institut in Theheran schloß und zwei Diplomaten des Landes verwies. Die Krise konnte erst eine Woche später für beendet erklärt werden, nachdem Carrell reumütig zu Kreuze (oder Halbmond) kroch. Was hingegen lehrt uns diese Geschichte? Carell war offensichtlich ein Talent, das ein Gespür für publikumswirksame polarisierende Visionen beziehungsweise die „Zeichen der Zeit“ hatte und der bereits weit vor dem 11. September zeigte, dass wir uns auch ohne dänische Karrikaturen im Nahen Osten unbeliebt machen können.
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