Phrasendreschen vs. Böse Welt.

Dass wir in einer gefährlichen Welt leben, hat sich ja bereits durch die aufopferungsvolle Arbeit von BILD und RTL 2 rumgesprochen. Aber: Es wird nicht besser – im Gegenteil. Die Grundfesten/Fundamente/Werte unserer moralischen Verfassung (und vermutlich auch unserer staatlichen) werden stets und ständig erneut auf die Probe gestellt. Wer ist nicht erschüttert/betroffen/verunsichert angesichts der entdeckten pharmazeutischen Spitzenleistungen bei der Tour der France oder der Leichtathletik-WM? Wem wird angesichts der frisch aufgedeckten Tatsache, dass VW sich von Faurecia und Karstadt sich von Lieferanten schmieren lässt, zutiefst von der moralischen Verfassung des gemeinen Menschen an sich enttäuscht/ernüchtert/desillusioniert? Wie reagieren, wenn laut neuester Meldungen bereits Mercedes in Veruntreuung verwickelt ist? Schwierige Fragen in schwierigen Zeiten, in denen wir aber nie und nimmer die Hoffnung/Perspektiven/Chancen aus den Augen verlieren dürfen. Ich sage jedoch: Abwarten und phrasendreschen, denn verloren hat nur, wer erwischt wird. Und das kennen wir ja auch aus Kana.

Juli 31, 2006. Morgenappell. 3 Kommentare.

Das ist doch wirklich seltsam.

Auf der Suche nach dem perfekten Layout für diesen Blog muss ich fesstellen, dass es zwar sehr viele hübsche, jedoch nur sehr wenige funktionale Designs gibt. Ich vermisse bei vielen Vorlagen die Friends/Link- Liste und es wäre wirklich schade, wenn ich nirgendwo die beiden besten Blogs und die beste Website der Welt listen könnte. Das momentane Format ist aber eine ganz akzeptable Alternative, auch wenn die psychedelischen Muster und mystischen Farben leider fehlen.

Juli 31, 2006. Jenaer Anthologie. 1 Kommentar.

Bullshitbingo vs. Überalterung.

Wenn unsere geliebte Mutterverdienstkreuzträgerin in Diamant von der Leyden zum „8.Deutschen Seniorentag“ referiert, ist es amüsant zu sehen, wie einfach sich ein Publikum zum Spielball eines durchschnittlich ambitionierten und weit weniger begabten Redners machen lässt. Trotz der deprimierenden Aussicht, in – nach neusten Statistiken – nur noch 20 Jahren einen Altersschnitt von 45 zu haben, grinst das Auditorium als gäbe es am Ende der Show TENA – Ladys und Herztropfen umsonst. So verwendet unsere Ursel Begriffe wie „Chancen“, „Herausforderungen“ oder „spannend“ im Zusammenhang mit Überalterung, Pflegepolitik und Senilität derart, dass sich unvermittelt der Gedanke aufdrängt, nicht inmitten einer greisen Gesellschaft ohne Kinder, sondern vielmehr auf lustiger Fahrt mit Enid Blytons „Fünf Freunden“ oder den ewig jugendlichen „TKKG“ zu sein. Doktor Ursela ähnelt inmitten dieser grotesken Dauerwerbesendung für Gebisshaftstreifen, Unterarmgehstützen und wasserdichte Bettlaken allerdings mehr Bibi Blocksberg, die denkt mit den Worthülsen wie „interessante Möglichkeit“, „Vorbildfunktion für andere Staaten“ und „Synergieeffekte“ das drohende Aussterben der Deutschen wegzaubern zu können. Na dann: Bingozettel raus und Hexhex.

Juli 25, 2006. Morgenappell. 4 Kommentare.

Ferias habeo.

Da mein Mozilla-Forecast heute ein schmelzendes Thermometer ankündigt, habe ich beschlossen, dem Blog auch erst mal ein paar Urlaubstage zu gönnen. Ich halte mich über Wasser mit Theodor Fontanes Stechlin und frischen Kirschen. Dabei ist es schön zu wissen, dass es Menschen gibt, für die Blogs wirklich wichtig sind. *Neid* 

Juli 22, 2006. Hat nichts zu tun mit.... 1 Kommentar.

Möhrenkönig vs. Pesttote.

In meiner Funktion als Schaulustiger und Statist durfte ich in den letzten Wochen zwei historischen Festumzügen beiwohnen. Es ist ganz interessant, was für Geschichten da rausgekramt werden und zu imposanten Wagen oder Dioramen umgebaut werden. Bei einem dieser Züge anläßlich des 1100-jährigen Bestehens meines Heimatorts fand ich persönlich den Wagen mit den „Pesttoten“ am interessantesten, denn immerhin gab es anno 1613 ganze 18 Tote. Ganz historisch war der Wagen mit einem Totengräber in Scharfrichteruniform, der einen Collie führt, allerdings nicht: Ich konnte beim besten Willen nur vier Särge zählen. Beim Umzug zum diesjährigen Thüringentag hat mich neben dem Sonneberger „Bruno„-Gedächtnismarsch am meisten die Interpretation der Heiligenstädter Sage vom „Möhrenkönig“ überzeugt. Da dies auch für mich kulturhistorisches Neuland ist, hier eine kleine Zusammenfassung: Feinde vor Stadt, Torriegel weg, Möhre als Torriegel, Möhre von Ziege des Torwächters gefressen, Feinde in Stadt. Um das mal ganz dezent zu formulieren: Während beispielsweise die Chinesen ausschliesslich Sagen von ruhmreichen Kaisern, monströsen Drachen und riesigen Goldschätzen besitzen und in diverse Festzüge involvieren, dekorieren unsere Festzüge ein paar lausige Heinrichs oder Ottos zu Fuß sowie Pesttote, die nicht mal einen eigenen Sarg haben. Sogar dem Versager von Möhrenkönig wird ein Platz eingeräumt. Kein Wunder, dass Deutschland in Sachen blühender Wirtschaft früher oder später den Löffel an China abgibt. Dann gibt es neben Pesttoten mit Sicherheit auch ein paar Wirtschaftsleichen.

Juli 17, 2006. Morgenappell. Kommentieren.

Ave Maria vs. Studentenemails.

Im Zuge der Entsäkularisierung der USA plant EX-Pizzaguru Tom Monaghan in Florida eine Universitätsstadt mit Campus und Kondomverbot zu bauen. Ganz klar, dass er dabei Jeb Bush auf seiner Seite hat. Pornographie und Homosexualität sollen in diesem heilen Teil der Welt auch unterbunden werden, also werden dort vermutlich keine Priester aus St. Pölten lehren. Allerdings ist auch anzunehmen, dass die Verantwortlichen sicher nie mit Emails aus der Hölle konfrontiert werden müssen, die selbst Computer zum Absturz bringen. Es bleibt zu hoffen, dass die aktuellen Ereignisse um die abstürzende Eiger Nordwand nicht durch Emails diesen Formats ausgelöst werden, sonst laufen wir Gefahr, bald die ganze Apenlandschaft zu verlieren. Und dann hilft vermutlich nur noch ein Ave Maria.

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Nützlich dafür: Selbstgebastelte Heiligenfänger.Eingeschickt von Franzi Günzel, die mit ihrer Liebe zum Reisen und ihrem Talent fürs Fotografieren auch in 10.000 m Höhe stets Auge und Sinn für das Wesentliche beweist.

Juli 14, 2006. Morgenappell. Kommentieren.

Rudi Carrell vs. Dänische Karrikaturen.

Mein Blog ist noch jung und dennoch können wir uns neben Robert Gernhardt bereits wieder von einem weiteren Kulturfolger verabschieden: Dem Mäzän der Spassgesellschaft Rudolf Wijbrand Kesselaar, genannt Rudi Carrell. Da wird es Zeit, im Stillen einer kleinen Anekdote zu gedenken. Da geschah es anno 1987, dass in der von Carrell moderierten Persiflage auf die Tagesschau, „Rudis Tagesshow“, ein Beitrag Ayatollah Khomenei zeigte, wie dieser im Gegenschnitt mit Damenunterwäsche beworfen wurde. Die natürliche Folge dessen war es, dass der Entertainer sich den Unmut zahlreicher Politiker zuzog, der Iran das deutsche Goethe-Institut in Theheran schloß und zwei Diplomaten des Landes verwies. Die Krise konnte erst eine Woche später für beendet erklärt werden, nachdem Carrell reumütig zu Kreuze (oder Halbmond) kroch. Was hingegen lehrt uns diese Geschichte? Carell war offensichtlich ein Talent, das ein Gespür für publikumswirksame polarisierende Visionen beziehungsweise die „Zeichen der Zeit“ hatte und der bereits weit vor dem 11. September zeigte, dass wir uns auch ohne dänische Karrikaturen im Nahen Osten unbeliebt machen können.

Juli 11, 2006. Morgenappell. Kommentieren.

Éric Cantona vs. Zinédine Zidane.

Nachdem Zinédine Zidane nun gestern abend unrühmlich am Pokal und einem positiven WM-Karriereende vorbeigeschlichen ist: Hier hat er die einmalige Möglichkeit, sich in der „Eric Cantona Gedächtnis Move„- Hall ein letzes Mal einen Weltruf zu erkämpfen. Jeder, der die Ansicht vertritt, dass die gestrige Szene an die eines Eric Cantona heranreicht, möge bitte im Kommentarbereich sein Stimmlein abgeben. Zu gewinnen gibt es einen Brustpanzer eurer Wahl.

Juli 10, 2006. Morgenappell. 6 Kommentare.

Ehewünsche vs. Partnerschaften.

Eine Hommage an die Bekanntschaftanzeigen aus der FAZ, die eigentlich auch in die Rubrik „Chancen“ oder „Wirtschaft“ passen:

Ein wichtiges Thema in einer Gesellschaft, in der 2040 jeder 2. Staatsbürger über 50 oder „mit anatolischem Migrationshintergrund“ sein wird und keine Akademikerinnen außer Eva Herrmann auch nur im geringsten daran denkt, sich auf Kosten der Karriere zu reproduzieren. Für Lichtblicke in dieser familienfeindlichen Welt sorgen seit „32 Years of Trust & Success“ namhafte Botoxschönheiten wie „Gabriele Thiers-Bense“, „Christa Appelt“ oder „Claudia Püschel-Knies“. Da wird der verzweifelt suchenden Oberschicht ein „österreichischer Traum vom Feinsten“ oder ein „Milliardär, 40 -49 J.“ angeprangert, selbstverständlich aus „den ersten Unternehmerkreisen“ oder „dem Hochadel Europas“ als die „perfekte Ergänzung für einen brillianten Dr. jur.“ oder „eine bezaubernde Millionärin und echte Lady um 40„. Was da so poetisch als „Eine Karriere als Ehefrau, Hausfrau, Mutti und Managerin aller Lebenslagen“ verpackt ist, meint jedoch im Prinzip den Wunsch nach einer devoten Legehenne, hinter der lyrischen Hyperbel von der „Juniorprofessorin, elegant und intelligent… bin dir eine loyale Gefährtin…du solltest meinen Lebensstil finanzieren können…“ verbergen sich vermutlich Kader Loth oder Tatjana Gsell. Wenn da hingegen ein „Zartes Seelenblümchen„, das mit seinen 36 Jahren „auf geistigem Boden gewachsen ist“ und einen „gemütvollen Partner“ sucht, dann wissen wir genau, dass der Fachschaftsrat Germanistik mal wieder zusammengelegt hat, um ein paar seiner Langzeitstudentinnen zur Exmatrikulation zu bewegen. Was hingegen unter der Anzeige „12 Männer und 12 Frauen begegnen sich auf einem rom. Schloß zu einem Seminar/Training mit: Kommunikation, Kunst & Selbsterfahrung“ verstanden wird, ist vermutlich auch mit weniger Kunst im Saunaclub Tropicana zu bekommen. Was ich nur sehr verwunderlich finde…weshalb all diese „gesunden„, „gewinnenden„, „sportlichen„, „familienorientierten“ und „angenehmen“ „Luxuriösen, herrschaftlichen Anwesen mit Traummann„, „Eloquenten Pharmazeuten … mit erfolgr. Unternehmen mit zahlr. Mitarbeitern“ oder „Jungen Firstladies aus sehr vermögendem Unternehmer-Haus“ eigentlich noch immer Single sind.

Juli 9, 2006. Morgenappell. 2 Kommentare.

Dinge, die sich unserer Sympathie versichern sollten.

Juli 7, 2006. Jenaer Anthologie. Kommentieren.

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